UEFA Cup - Der Fußball-Gott ist Bayern-Fan

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Die Bayern haben mal wieder das Unmögliche möglich gemacht und ein mehrfach verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer gerissen. Nach dem Last-Minute-Einzug ins UEFA-Pokal-Halbfinale konnte sich selbst Europacup-Legende Oliver Kahn nicht an ein derart verrücktes Spiel erinnern.

Eine Katze, so sagt der Volksmund, hat sieben Leben. Auch der FC Bayern hat zuweilen mehrere Leben und ist vom Gegner einfach nicht "totzukriegen". Beim wahnwitzigen 3:3 in der "Schlacht von Getafe", die so manchen Fan einige Male an den Rand eines Herzinfarktes gebracht haben dürfte, standen die Bayern trotz 115-minütiger Überzahl eigentlich mehrfach auf der Schwelle ins fußballerische Jenseits.

Zum ersten Mal in der 68. Minute, als Braulio beim Stand von 1:0 für die Spanier Kahn bereits umkurvt hatte, doch als er zum wohl entscheidenden 2:0 einschießen wollte, rutschte er auf dem glitschigen Rasen des Coliseum Alfonso Perez aus.

In der 87. Minute verlor Jaime Gavilan die Orientierung und im Getümmel den Ball aus den Augen, sonst hätte er das herrenlose Spielgerät zur Entscheidung ins leere Tor befördert. So konnte der ansonsten blasse Franck Ribery mit dem 1:1 in der 89. Minute den taumelnden Bayern wenigstens für weitere 30 Minuten neues Leben einhauchen.

Bayerns Wiederauferstehung nach 1:3-Rückstand

Als Getafe in der Verlängerung durch Casquero (91.) und Braulio (93.) der Doppelschlag zum 3:1 gelang, schien dem deutschen Rekordmeister vom Madrider Vorortklub endgültig der Garaus gemacht. Doch ein kapitaler Fehler von Torwart Carlos Abbondanzieri - Spitzname "pato" (Die Ente) -, den Toni (115.) zum 3:2 nutzte, reanimierte die Bayern und so kam wie es kommen musste: Tonis Kopfballaufsetzer in der 120. Minute sorgte für eine nicht mehr für möglich gehaltene Wiederauferstehung der Bayern.

"Ich kann mich nicht erinnern, solch ein Spiel je gesehen oder selbst miterlebt zu haben. Jetzt musste ich 140 Europapokal-Spiele machen - Barcelona, Manchester United oder Real Madrid - das ist alles nix im Verhältnis zu dem, was hier heute abgelaufen ist" schüttelte ein befreit wirkender Oliver Kahn den Kopf über eine Partie, die es wohl nur einmal in 1000 Fußball-Spielen gibt.

Fast zwei Stunden lange hatten die ideenlosen und pomadigen Bayern nach der Roten Karte für Ruben de la Red (Notbremse, 6.) einen Mann mehr auf dem Platz, doch die zehn Spanier hielten - angepeitscht vom fanatischen Publikum - all das dagegen, was die Bayern über weite Strecken vermissen ließen: Bedingungslose Leiden- und schier unmenschliche Laufbereitschaft. Folgerichtig fiel noch vor der Pause das 1:0 durch Cosmin Contra (44.), ehe das Drama mit Happy End aus FCB-Sicht seinen Lauf nahm.

Lahm: "Die Mannschaft glaubt immer an sich"

"Es war ein schlechtes Spiel von uns. Wir haben viele Fehler gemacht", analysierte Philipp Lahm den ideenlosen Auftritt seiner Mannschaft, die nur die intakte Moral in die Waagschale werfen konnte, wie Lahm anfügte: "Die Mannschaft glaubt immer an sich. Diese Mentalität hat man auch heute gesehen." Auch Trainer Ottmar Hitzfeld hob die Moral seiner Truppe heraus: "In der Verlängerung nach einem 1:3-Rückstand zurückzukommen, ist schon großartige eine Leistung. Das spricht für die Moral der Mannschaft."

Der Coach hatte die Begründung für die schwache spielerische Leistung parat: "Wir konnten heute nur verlieren, das hat man der Mannschaft angemerkt. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Die Mannschaft hat es sich aber erkämpft, ob verdient oder nicht, sei dahingestellt." Martin Demichelis sprach aus, was viele nach dem unglaublichen Krimi in Getafe dachten: "Über dieses Spiel müssen wir viel reden."

Dieses Mal hat also der Fußball-Gott aus Bayern-Sicht noch einmal beide Augen zugedrückt. Das allein dürfte im Halbfinale gegen den russischen Meister Zenit St. Petersburg nicht ausreichen - nachzufragen bei Bayer Leverkusen.

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