DFB-Pokal - Kahn, Toni und jede Menge Glück

Veröffentlicht auf von Sportfan

Mit dem DFB-Pokal wandert der erste von drei angepeilten Titeln in dem Trophäenschrank des FC Bayern. Doch das Endspiel gegen Borussia Dortmund war bei weitem nicht das erwartete Schaulaufen des Rekordmeisters, sondern vielmehr ein Pokalfight mit dem glücklicheren Ausgang für die Münchner.

Sichtlich gezeichnet von 120 Minuten Pokalkampf riss Oliver Kahn die Fäuste in den Berliner Abendhimmel und verharrte in dieser Position - kein wilder Jubel, sondern eine einfache Geste, mit der der dreimalige Welttorhüter seinen sechsten Pokalsieg feierte, der ihn zum Abschluss seiner Karriere zum alleinigen Rekordtitelträger macht.

Viel Zeit darüber nachzudenken blieb dem Bayern-Kapitän nicht, denn Sekunden später war er im Knäuel seiner Mitspieler verschwunden - jeder wollte mit dem "Titan" feiern. "Er ist ja sonst immer so weit weg, wenn ich Tore schieße - aber wenn man so etwas gewinnt, dann ist es schön, wenn man sich auch mal umarmen kann", flachste Weltmeister Luca Toni im "aktuellen sportstudio".

Doll lobt seine Spieler

Dabei hätten die Bayern-Spieler ebenso gut ihrer italienischen "Tormaschine" um den Hals fallen können. "Luca ist schon außergewöhnlich. Ich habe selten einen Stürmer erlebt, der seine Chancen so kaltblütig verwertet", lobte Kahn den Angreifer mit eingebauter Torgarantie. 35 Treffer in 41 Pflichtspielen hat der lange Mittelstürmer für den nun 14-maligen deutschen Pokalsieger erzielt - mehr als Bayerns Stürmer-Legende Gerd Müller in seiner ersten Spielzeit für die Münchner. "Ich hoffe, dass die Saison erst Ende Mai für mich mit vielen, vielen Toren zu Ende ist. Es fehlen noch zwei Titel", kündigte Toni weitere Großtaten in Meisterschaft und UEFA-Cup an.

So froh die Münchner am Ende waren, den ersten Schritt zum anvisierten Titel-Triple erfolgreich absolviert zu haben, so knapp war der Spielverlauf. Die von vornherein nur als "Kanonenfutter" gehandelten Dortmunder verkauften sich um Längen teurer als noch beim 0:5-Debakel in der Vorwoche in München. "Ich denke, ich kann meinen Spielern nur ein Riesenkompliment machen. Es ist bitter, wenn man das Spiel so verliert", resümierte ein sichtlich geknickter BVB-Trainer Thomas Doll.

Glück + Dusel = Erfolg

"Dortmund hat sehr gut gespielt. Wir haben das Ergebnis nach dem 1:0 nur noch verwaltet. Nach dem späten Tor in der 91. Minuten mussten wir richtig hart arbeiten", lobte auch Bayern-Manager Uli Hoeneß das mutige Auftreten der Borussen. Dabei hatte es anfänglich nach einer Wiederholung des Ligaspiels ausgesehen. Schon nach elf Minuten ging der Favorit aus München durch Toni in Führung, stellte danach das Fußballspielen aber größtenteils ein. Erst als der BVB in der zweiten Halbzeit aufdrehte, wurde die Partie zum Pokalfight. "Wir haben nach Anfangsschwierigkeiten ein gutes Spiel geboten. Nach dem Ausgleich waren wir sogar überlegen und dann kriegen wir so ein Duseltor", haderte Mladen Petric, dessen Ausgleich in der Nachspielzeit eine Verlängerung überhaupt erst möglich machte.

"Wir waren über 120 Minuten die mutigere Mannschaft. Am Ende haben die Bayern Dusel gehabt", befand Nationalspieler Sebastian Kehl. Dem musste auch FCB-Präsident Franz Beckenbauer nach dem entscheidenden Tor von Toni in der 103. Minute zustimmen. "Der FC Bayern ist verdienter Pokalsieger, aber auch ein bisschen glücklich." Glück und Dusel - zwei Worte, die bei den Bayern derzeit zum gleichen Ergebnis führen: Erfolg. Oliver Kahn nimmt den Zustand verständlicherweise gerne in Kauf. "Wenn Du auf so vielen Hochzeiten tanzt wie wir, dann kannst Du nicht alles souverän gewinnen. Da sind dann eben auch enge Dinger dabei, wo Du Glück brauchst."

"Diese ominöse 90. Minute..."

Dass es wieder einmal so eng wurde, ließ Kahn in Erinnerungen schwelgen. "Diese ominöse 90. Minute verfolgt mich seit 20 Jahren. Aber wenn man das so oft erlebt, wird man robust", sagte der 38-Jährige und hatte dabei das verlorene Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United und das UEFA-Cup-Spiel gegen den FC Getafe im Kopf. Trotz der Anstrengung freute sich Kahn über seinen letzten Auftritt im Berliner Olympiastadion. "Wenn man weiß, man ist zum letzten Mal im Pokalfinale, kann man das auch ein bisschen genießen." Gleiches galt auch für den zweiten Münchner auf Abschiedstour, Trainer Ottmar Hitzfeld. "Es ist ein schöner Abschied, hier in Berlin zu sein. Es ist ein Spiel, das man nicht wiederholen kann. Jetzt ist die Freude groß", genoß der "General" seinen dritten DFB-Pokalsieg.

Auf dem Weg zum Triple, da sind sich Kahn und Hitzfeld einig, soll es allerdings nervenschonender zugehen. "Ich habe schon mit Ottmar gesprochen. So kann es ja nicht weitergehen, dass das immer so dramatische Formen annimmt..." Zumindest was die Meisterschaft angeht, können die beiden da wohl einer ruhige Zukunft entgegenblicken.

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