Satte Millionäre gegen erfolgshungrige Altstars, Auslaufmodelle gegen Zukunftsmusik? Das Champions-League-Halbfinale Barcelona gegen Manchester United scheint
kein Duell auf Augenhöhe mehr zu sein. Während ManU mit Superstar Ronaldo die Insel und Europa dominiert, geht "Barca" auf dem Zahnfleisch.
Was waren das noch für Zeiten, als alle Welt neidisch und fasziniert zugleich nach Katalonien blickte. Als die bloße Erwähnung der Namen Ronaldinho, Deco, Messi und Eto'o für Angst und
Schrecken bei den gegnerischen Abwehrreihen sorgte. Als Frank Rijkaard noch der unumschränkte Herrscher und Chef-Intendant des entfesselt aufspielenden "Barca"-Balletts war. Diese Zeiten scheinen
vorbei.
In Manchester hingegen ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. Und die ist untrennbar mit dem Namen Cristiano Ronaldo verbunden. Der Portugiese ist der Stern am englischen Fußball-Himmel. Die
Zahlen sprechen für sich: 31 Premier-League-Spiele, 28 Tore. Acht Auftritte in der Champions League, sieben Treffer. Insgesamt hat der 23-Jährige bisher 55 Pflichtspiele in der Saison 2007/2208
bestritten, dabei 46 Tore erzielt und zehn Treffer vorbereitet.
Ronaldo: Personifizierung der "ManU-Power"
Das Fundament des Erfolges ist die Breite des Kaders. Mit Mikael Silvestre, Gerard Pique, John O'Shea, Louis Saha, Ji-Sung Park, Nani und Anderson verfügt Ferguson - selbst ein wichtiger Pfeiler
des Erfolgs - über eine erstklassige zweite Garde, die sich jederzeit nahtlos in das funktionierende Mannschaftsgefüge einbauen lässt. Die Speerspitze bildet aber die mit Weltklasse-Spielern
besetzte erste Elf. Kurzum: Das Gesamtpaket stimmt einfach.
Ronaldo personifiziert das "neue" ManU: Spielstark, ballsicher, dominant und brandgefährlich. Nachdem in den vergangenen Jahren der FC Chelsea, Arsenal London und der FC Liverpool im englischen
Fußball-Oberhaus den Ton angegeben hatten, mauserten sich die "Red Devils" still und heimlich zum neuen Primus auf der Insel.
Der Angriff: Die Abteilung Attacke ist das Sahnestück der "Red Devils". Mit Ronaldo, Wayne Rooney und Carlos Tevez deckt Manchester alle Facetten ab, die einen schlagkräftigen Sturm ausmachen.
Rooney als Arbeiter und unermüdlicher Rackerer, der den Ball halten kann und über den berühmten Torriecher verfügt. Ronaldo, der Dribbelkünstler, der Mann für das kreative Moment, der mit einer
Aktion das Spiel alleine entscheiden kann. Und Tevez, ein klassischer Sturmtank, der mit seinen technischen und vor allem physischen Fähigkeiten überzeugt.
Das Mittelfeld: In der Zentrale sorgen Paul Scholes, Michael Carrick und Ryan Giggs für den Offensiv-Wirbel, bereiten die Angriffe, die meist über Ronaldo laufen, vor. Vor allem Scholes, ein
"ManU"-Urgestein, erlebt momentan seinen zweiten - oder gar dritten - Frühling. Dahinter räumt der Ex-Bayern-Spieler Owen Hargreaves auf. Gerade Hargreaves ist ein Beispiel dafür, wie gut
geschmiert die Maschinerie "ManU" momentan läuft - der Lieblingsschüler von Ferguson, der zu Saisonbeginn für rund 25 Millionen Euro aus München kam, überzeugt durch seine Vielseitigkeit. "Owen
kann viele Rollen übernehmen", sagt Ferguson über den gebürtigen Kanadier, dem er "ein wunderbares Tempo" attestiert.
Die Abwehr: Gelenkt von Rio Ferdinand, gehört die Verteidigung von Manchester zu den stärksten in der "Königsklasse". Nur fünf Treffer ließ die Viererkette mit Nemanja Vidic, Patrice Evra und Wes
Brown im bisherigen Wettbewerb zu - lediglich der FC Chelsea (4) präsentiert ein noch stärkeres Abwehrbollwerk. Dabei kommen Ferdinand und Co. mit wenig Fouls aus: 13,2 unfaire Einsätze pro Spiel
liegen weit unter dem Durchschnitt der Champions League. Daraus resultieren auch die wenigen Gelben Karten. Insgesamt kassierte die ManU-Abwehr gerade einmal zwei Verwarnungen (beide Evra).
Der Trainer: Ferguson ist die Trainerlegende in Manchester. Der Taktikfuchs versteht es wie kaum ein zweiter, junge Spieler zu fördern und gleichzeitig erfahrene Haudegen bei Laune zu halten. Das
System "Ferguson" baut auf ein flexibles Spiel, das keiner "Doktrin" unterworfen ist - ob offensiv oder eher vorsichtig agiert wird, hängt von der Situation ab. Auch neben dem Platz herrschen
beim 66-Jährige klare Strukturen. Wenn der "Sir" Missstimmungen oder Unzufriedenheit wittert, haut er dazwischen - wie im Falle von Ruud van Nistelrooy, David Beckham oder Jaap Stam. Wer nicht
(mehr) passt, wird verkauft. Ferguson besitzt bezüglich der Personalpolitik fast uneingeschränkte Verfügungsgewalt. Die nutzt der Schotte nicht nur bei Transfers, sondern auch, um Nachhaltigkeit
zu gewährleisten: Die "Red Devils" verlängerten zuletzt mit einem Gesamtvolumen von geschätzten 90 Millionen Euro langfristig die Verträge von Ronaldo (2012), Brown (2012), Carrick (2013),
Ferdinand (2013).
Neueste Kommentare