UEFA Cup - Aus der Traum - doch Bayern bleibt cool

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Saftlos, kraftlos, vorgeführt und dennoch nicht am Boden. Mit einer ungeahnten Portion Gelassenheit hat der FC Bayern das desaströse Auftreten im UEFA-Pokal-Halbfinale beim 0:4 (0:2) gegen Zenit St. Petersburg hingenommen.

"St. Petersburg ist eine fantastische Stadt, kann ich jedem nur empfehlen. Hier die internationale Karriere zu beenden, ist schon ein Highlight", erklärte Torhüter Oliver Kahn, dessen 142. Europapokalspiel auch sein letztes sein sollte, mit einem Augenzwinkern. Natürlich hatte auch der "Titan" keinen Gedanken daran verschwendet, die Leistung des DFB-Pokalsiegers zu beschönigen. "Wir waren chancenlos", gab der Bayern-Kapitän zu und brachte das Geschehen in der Zarenstadt damit auf den Punkt.

Kahn lobt russische Effizienz

Ausgebrannt von den kräftezehrenden englischen Wochen in den letzten Monaten agierten die Münchner nie auch nur annähernd auf gewohntem Niveau. Der russische Meister war dem deutschen Titelträger in allen Belangen überlegen. Zenit zeigte sich ebenso geduldig wie gnadenlos, rannte nicht kopflos auf das Bayern-Tor an, sondern nutzte die sich bietenden Chancen kaltschnäuzig, "wie ich das eigentlich nur von Weltklasse-Spielern aus der Champions League kenne", fand Kahn bewundernde Worte für die Effizienz der Russen.

Schon nach vier Minuten waren die Bayern ins Hintertreffen geraten, weil die Mauer bei einem Freistoß von Pavel Pogrebnjak Lücken aufwies und Kahn dem flachgeschossenen Ball nur noch hinterher schauen konnte. Sechs Minuten vor der Pause degradierte Konstantin Zyrianow die halbe Münchner Hintermannschaft zu Statisten und versenkte den Ball zum 2:0. "Auf internationalem Niveau darf man nicht solche Abwehrfehler machen wie wir", stellte Trainer Ottmar Hitzfeld fest. Auch für ihn wird der Abschied aus München nun um einen Titel weniger glanzvoll ausfallen, als er sich das selbst wohl gewünscht hätte. "International waren wir nicht so stark wie in der Bundesliga", resümierte der Coach das Auftreten seiner Elf im UEFA Cup.

Bayern lassen ihre Tugenden vermissen

Weder der französische Wirbelwind Franck Ribery noch Bayerns Stürmer mit eingebauter Torgarantie, Luca Toni, konnte in der lauen Abendluft von St. Petersburg die Mannschaft mitreißen, geschweige denn Akzente setzen. Doch auch vom Rest des Teams war wenig zu sehen: Ze Roberto und Mark van Bommel waren defensiv gebunden und konnten sich nicht wie gewohnt in die Angriffe einschalten, gleiches galt für Philipp Lahm und Marcell Jansen, die sich auf den Flügeln nicht in Szene setzen konnten und den nach seinem Nasenbeinbruch harmlos und zurückhaltend daherkommenden Miroslav Klose.

Langsam und behäbig, ideenlos und ohne Mut präsentierte sich der Rekordmeister in Europas nördlichster Millionenstadt. Die Mannschaft ließ vieles von dem vermissen, was sie über die Saison hinweg ausgezeichnet hatte: Schnelles Offensivspiel, Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und der unbedingte Siegeswille, der in Getafe dazu geführt hatte, dass die Münchner überhaupt erst ins Halbfinale einzogen. Trotzdem wollte Hitzfeld sein Team nicht nur kritisieren. "Wir haben heute sicherlich eine katastrophale Leistung gebracht und uns den Schneid abkaufen lassen. Die Mannschaft hat trotzdem alles versucht, aber es gibt so Tage, da macht man die Chancen nach vorne nicht."

"Heute war unser Tag"

Ganz anders die Gastgeber, die selbst ohne drei gesperrte Stammkräfte im Stile einer Klassemannschaft auf ihre Chancen warteten und diese eiskalt nutzten. Viktor Fajsulin (54.) per Kopf und noch einmal Progrebnjak (73.) sorgten für die endgültige Entscheidung zu Gunsten der Petersburger, die damit am 14. Mai im City of Manchester Stadion auf die Glasgow Rangers treffen. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so gut spielen", war selbst Zenits Trainer Dick Advocaat verwundert über das starke Auftreten seines Teams. "Wir haben den Bayern kaum Raum gegeben und sehr gut gestanden. Heute war unser Tag", freute sich der Niederländer.

"Man muss anerkennen, dass St. Petersburg ein super Spiel abgeliefert hat", fand auch Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, der jedoch auch auf die Frische des Gegners verwies. "Man darf nicht vergessen, dass die russische Meisterschaft gerade erst angefangen hat, während unsere Mannschaft so ziemlich auf dem Zahnfleisch daherkommt." Doch selbst Rummenigge nahm das Aus gelassen. "Wir haben zwei Titel gewonnen, daher kann die Mannschaft erhobenen Hauptes die Saison beenden."

"Überhaupt nicht enttäuscht"

Dafür, die Niederlage nicht überzubewerten, plädierte auch Pensionär in spe, Oliver Kahn. "Ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Irgendwann ist es eben mal zu Ende. Es ist besser so auszuscheiden als im Elfmeterschießen", meinte er und wollte von einem missratenen internationalen Abschied nichts wissen: "Was will ich mehr, als zwei Titel zu holen in meiner letzten Saison." Und dass selbst ausgepumpte Münchner den Meistertitel an den letzten vier Spieltagen noch verschenken, daran glauben nicht einmal die größten Optimisten unter ihren Konkurrenten.

Einer war dann aber doch mächtig enttäuscht über das Aus - Weltmeister Luca Toni. Nur zu gerne wäre der Italiener im Endspiel auf seinen ehemaligen Klub AC Florenz getroffen. So bleibt ihm die Chance auf einen weitereren Titel auf Vereinsebene vorerst versagt. "Wir müssen uns eigentlich bei den Fans entschuldigen. Das war das schlechteste Spiel, an das ich mich erinnern kann", ärgerte sich der 30-Jährige. Doch selbst für ihn gab es am späten Abend Trost: Die Fiorentina scheiterte im zweiten Halbfinale mit 2:4 nach Elfmeterschießen an den Glasgow Rangers - es hätte demnach eh kein Wiedersehen mit den alten Kameraden gegeben.

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