Bundesliga - HSV-Sturm im Aufwind

Veröffentlicht auf von Sportfan

Vor dem Bundesliga-Hit gegen Werder Bremen wollen die Verantwortlichen beim HSV nichts von einem Sechs-Punkte-Spiel wissen, auch wenn bei einem Dreier der zweite Tabellenplatz in Reichweite rückt. Tiefstapelei - denn auch die Hamburger Stürmer befinden sich vor dem Nordderby im Aufwind.

Im luftigen Sommeroutfit erschien Dietmar Beiersdorfer zur Abschluss-Pressekonferenz vor dem Spitzenspiel des Hamburger SV gegen Werder Bremen. Den warmen Maitemperaturen angemessen, war auch die Laune beim HSV-Sportchef gut. Nur die Frage nach dem Sechs-Punkte-Spiel konnte er dann doch nicht verknusen. "Es ist wichtig, konzentriert zu sein und sich auf das Spiel gegen Werder zu fokussieren, um Bremen dann zu schlagen", knirschte er durch seine Zähne. Der zweite Tabellenplatz wäre bei einem Sieg zwar wieder in Reichweite, der jetzige Sechs-Punkte-Abstand auf Bremen würde dann auf drei Zähler schmelzen, doch Euphorie wird nach der monatelangen Talfahrt an der Elbe in diesen Tagen klein geschrieben.

Dafür sorgt auch Trainer Huub Stevens, dessen Laune nach dem klaren 3:1-Sieg bei Hansa Rostock zwar ebenfalls etwas besser war als in den horriblen Vorwochen, doch auch Stevens tritt wie gewohnt die Bremse. "Wichtig ist, wo du am 34. Spieltag stehst", lautet seine scheinbar vom Tonband laufende Binsenweisheit, die er Woche für Woche herunterbetet.

"Abhängig von den Anderen"


Fakt ist, dass der HSV zu Hause gegen Werder gewinnen muss, soll ein Champions-League-Rang für die stets ambitionierten Hamburger, derzeit Tabellenvierter, weiterhin realistisch erscheinen. Durch den ersten Dreier nach sechs Partien Durststrecke hat sich der HSV wieder in eine recht passable Ausgangssituation manövriert.

"Wir sind abhängig von den Anderen", schwingt der Trainer zwar ermahnend den Zeigefinger, doch weiß er, dass Bayern auch nur deshalb so früh Meister werden konnte, weil weder Bremen (momentan Platz zwei), noch Schalke (drei) ebenso wie der HSV und dahinter Stuttgart und Leverkusen in dieser Saison gut und konstant genug waren, um eine wirkliche zweite Spitzenmannschaft in Deutschlands Eliteliga zu etablieren. Heißt auch: Jeder ist schlagbar, auch Werder hatte in dieser Spielzeit schon diverse hausgemachte kleine bis mittelschwere Krisen und muss sich somit wahrscheinlich bis zum Schluss Sorgen um den Tabellenplatz machen, der den direkten Startplatz für die europäische Königsklasse und somit satte Millionen garantiert.

Stürmer in der Spur zurück

Dass "Knurrer" Stevens nun eventuell doch noch ein relativ rosiger Abschied in Hamburg blüht, hat er auch seinen rechtzeitig zum Saisonfinish in die Bahn zurückgekehrten Angreifern zu verdanken. Ivica Olic traf gegen Rostock zweimal, Kollege und Kapitän Rafael van der Vaart einmal, wobei die beiden ihr Trefferkonto nach längerer Durststrecke auf zwölf respektive elf hochschraubten.

Alle drei Tore waren zudem sehenswert, van der Vaart gelang gar ein Kunstschuss, wie sie nur Ausnahmekönner im Repertoire haben. Sein angegriffenes Selbstvertrauen sollte also neuen Elan erhalten. Unfair wäre auch, den Sieg alleine auf einen vermeintlich desolaten Gegner zu schieben. Dass mit Werder Bremen ein anderes Kaliber wartet, ist hingegen allen Protagonisten in der Elbmetropole klar.

HSV-Krise vorerst gestoppt


Die erst einmal gestoppte Hamburger Krise, mit nur drei Punkten aus sechs Partien, wurde von Stevens ungefragt klein geredet: "Wenn du mit 50 Leuten arbeitest, ist auch mal was, es war aber keine Unruhe." Dass die seit einem halben Jahr andauernde Trainersuche beim HSV als Nebenkriegsschauplatz gelten kann, wird aber auch der im Sommer scheidende Noch-Coach nicht behaupten wollen. Wenn der Aufsichtsrats-Vize Willi Schulz via "Bild" seinen Unmut kundtut, wirkt Beiersdorfers Stoizismus bezüglich Trainersuche-Nachfragen ein wenig aufgesetzt. Dabei scheint sich mit Martin Jol nun einmal mehr eine Lösung für das Trainer-Problem zu bieten.

Als eisenharter, aber fairer Verteidiger für den HSV und auch Werder Bremen war "Didi" eine Abwehr-Ikone der späten Achtziger und frühen Neunziger. Nun scheint es, als wolle er als Sportdirektor sein magna cum laude machen. Er kann alles gewinnen, aber auch alles verlieren - wie der HSV in dieser Saison.

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