Bundesliga - Millionenspiel und Kesseldampf

Veröffentlicht auf von Sportfan

Werder Bremen hat im Duell um die Champions-League-Teilnahme den HSV aus dem Rennen geworfen. In einem harten, bisweilen unfairen Match, gewannen die Bremer drei Punkte und beendeten die Partie mit neun Mann. Bremens Keeper Tim Wiese kam hingegen nach einer üblen Attacke ungeschoren davon.

Es war, als würden sich auch eine Stunde nach dem Abpfiff dicke Schwaden über die sich leerende Nordbank-Arena legen. Der Kessel dampfte noch, die Gemüter waren aufgebracht wie eh und je, gerade auf Seiten des sowieso chronisch exaltierten Hamburger SV.


Soeben hatten die Rothosen nach einer wahren Rasenschlacht mit 0:1 gegen Werder Bremen verloren und somit die letzte Chance auf eine Champions-League-Teilnahme verwirkt. Nun fragten hartnäckige Reporter im Presseraum dem HSV-Präsidenten Löcher in den Bauch, debattierten aufgebrachte Aufsichtsräte im VIP-Raum ebenso wie wild fluchende Fans vor dem Stadion, die sich zum Teil auch prügelten (20 Festnahmen). Es war ein heißer, sonniger Tag in Hamburg gewesen. Nach dem Bundesliga-Spitzenspiel am Abend waren es die Emotionen, die kochten.


Action-Thriller mit Kung-Fu-Einlage


Die 90 Minuten, um die es ging, hätten auch von einem Action-Film-Regisseur arrangiert worden sein können. Diverse Titelvorschläge kämen in Frage: "Kung-Fu-Fighting an der Elbe" wäre einer. Als Werder Keeper Wiese in der 42. Minute den nur vom Bremer Naldo verfolgten Ivica Olic auf sein Tor zustürmen sah und sich beim Herauslaufen leicht verschätzte, setzte er einen halben Meter vor der Grenze zum 16-Meter-Raum zu einem spektakulären Tritt in Richtung Olics Hals an. Der Treffer zeigte Wirkung, der HSV-Stürmer krümmte sich am Boden, Übeltäter Wiese sah lediglich Gelb. "Wer mit seinen Stollen in 1,80 Meter Höhe in das Gesicht unseres Spielers zielt, muss vom Platz", echauffierte sich HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer hinterher.


Eine Rote Karte, die verdient gewesen wäre, hätte der Partie wohl eindeutig eine Wendung zugunsten der Gastgeber verpasst, zumal der HSV schon in Hälfte eins mehr vom Spiel gehabt hatte. Bremen hielt zumindest physisch dagegen, spielerisch merkte man den abgebrühten Werder-Profis an, dass ihnen selbst ein Remis den lästigen Tabellenvierten vom Hals und von den Champions-League-Rängen halten würde. "Es war das erwartet schwere Spiel, voller Emotionen und mit einem schönen Tor", bilanzierte hernach Werder-Trainer Thomas Schaaf. "Wir haben es mit Glück überstanden."


Bizarres Spiel mit Kartenhagel


"Die ewige Wiederkehr des Gleichen", wäre ein weiterer Filmtitel für diese dramaturgisch fast schon ein wenig bizarr anmutende Partie gewesen. Vor exakt zwei Jahren hatte der HSV am letzten Spieltag mit viel Pech und einem 1:2 gegen Werder zu Hause den zweiten Tabellenplatz an den großen Konkurrenten von der Weser abgeben müssen. Nun stand das Team von Trainer Huub Stevens bei sechs Punkten Abstand auf den Tabellenzweiten Bremen zwar mit dem Rücken zur Wand, aber als Olic in der 48. Minute abermals alleine auf Wiese zustürmte, hing der 20-Millionen-Euro-Jubel, soviel garantiert die Teilnahme an der europäischen Königsklasse, in der Luft. Doch der Torwart-Haudegen parierte diesmal fair, zwei Minuten später traf Hugo Almeida auf der anderen Seite kompromisslos von der Strafraumgrenze in den Winkel.


Die Hamburger sammelten in der Folge sechs Großchancen, Werder die Gelben Karten und Platzverweise. In der Endabrechnung standen sechs Verwarnungen der Gäste drei des HSV gegenüber, zudem kassierte Bremens Frank Baumann Gelb-Rot (57.), der eingewechselte Jurica Vranjes in der Schlussminute Rot. "Wir freuen uns, dass wir solch ein schweres Spiel gewonnen haben, wenn man sieht, was passiert ist", sagte Werder-Sportchef Klaus Allofs vieldeutig. Auch Wiese hatte nach dem Sieg, der mindestens Platz drei garantiert, die schnelle Transformation vom "Rambo" zum "Rotzlümmel" bewerkstelligt. "Der Schiri hat zu mir gesagt, dein Glück ist, dass du den Ball zuerst gespielt hast."


Good bye und hallo Königsklasse


Die letzte Vorstellung des Abends lieferte dann HSV-Boss Bernd Hoffmann unter dem Titel "Champions-League-Millionen ade". Zunächst kamen noch gewohnt beschwichtigende Worte im Verkäuferdeutsch, über verlorene Millionen denke er nicht nach. "Ich denke daran, dass wir in den letzten beiden Spielen den UEFA Cup schaffen können." Dann redete er aber doch ein wenig Tacheles und gab zu: "Es wäre unsinnig, abzustreiten, dass wir enttäuscht sind. Wir waren vor sechs Wochen auf Rang zwei."


So können sie sich an der Elbe wieder der ebenfalls grotesken Trainersuche zuwenden. Dienstag soll das Finanzpaket der kolportierten Verpflichtung von Martin Jol dem Aufsichtsrat präsentiert werden. Werder hingegen feierte, denn die fünfte Champions-League-Teilnahme in Serie winkt.

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